Konfliktberatung

Mediation

Konfliktmoderation

Beispielfall "Patchwork"

Vorbereitung

Im vorliegenden Beispielfall ruft Frau Müller die Mediatorin an und fragt, ob diese eine Mediation zwischen ihr und ihrem Partner, Herrn Busse, durchführen kann. Frau Müller beschreibt kurz, dass sie mit Herrn Busse zusammen lebt und es immer wieder Streit über die Aufgaben seiner zwei Kinder aus einer früheren Beziehung gibt, wenn diese alle zwei Wochen drei Tage dort sind. Die Mediatorin sagt zu, und weitere inhaltliche Details werden während der Mediation besprochen.

Die Mediation soll erstmal eine Sitzung von 2 bis 2,5 Stunden umfassen. Vermutlich sind eine zweite oder eine dritte Sitzung nötig, um zu einer konkreten Regelung zu kommen. Dies soll dann am Ende der ersten Sitzung entschieden werden. Frau Müller hat mit Herrn Busse bereits besprochen, dass sie sich die Kosten teilen. Als Ort für die Mediation wird ein Konferenzraum in der näheren Umgebung genutzt.

Der erste Termin

Zuerst werden die Rahmenbedingungen der Mediation beiden Beteiligten erläutert.

Wie läuft eine Mediation ab?

Mediation ist ein strukturiertes Gespräch mit dem Ziel, eine konkrete Regelung für eine vorliegende konflikthafte Situation zu finden. Um dahin zu gelangen, werden erst die Sichtweisen aller Beteiligten zur Situation angehört. Danach wird erarbeitet, welche Interessen oder Motivationen hinter den Handlungen stecken. Dadurch wird der Blick gelöst von den festgefahrenen Positionen und Lösungsoptionen eröffnen sich. Diese werden dann konkretisiert, so dass alle Beteiligten letztlich einen konkreten Plan haben, wie mit dem Thema künftig umgegangen wird.

Was macht eine Mediatorin?

Die Mediatorin strukturiert das Gespräch und gibt den Rahmen vor. Dabei ist sie allparteilich im Prozess, das bedeutet, sie unterstützt beide Parteien gleichermaßen darin, eine akzeptable Regelung zu finden. Die Verantwortung für die besprochenen Inhalte liegtbei den Teilnehmenden, das heißt, diese entscheiden, welche Themen und Inhalte benannt und diskutiert werden.

Regeln

Die Regeln bei einer Mediation sind folgende:

Erst als Frau Müller und Herr Busse den genannten Punkten zugestimmt haben, beginnt die eigentliche Mediation.

Vertraulichkeit

Wie vertraulich sind die besprochenen Inhalte? Die Mediatorin ist immer zur Verschwiegenheit verpflichtet. Die Teilnehmenden einigen sich auf den Umgang mit besprochenen Inhalten, sowie den Umgang mit den am Ende gefundenen Regelungen.

Im Beispielfall möchte Frau Müller die Gesprächsinhalte mit ihrer besten Freundin Saskia diskutieren. Herr Busse bestimmt seinen Bruder Peter als Vertrauensperson. Ansonsten wird keiner die Inhalte mit anderen Personen besprechen. Wie mit dem Ergebnis der Mediation umgegangen wird, wird später entschieden.

Zeit / Pausen / Abbruch

Mediationssitzungen können zwischen einer und mehreren Stunden dauern. Meistens empfehlen sich Zeitabschnitte von zwei bis zweieinhalb Stunden. Es können während der Mediation jederzeit Pausen gemacht werden. Ebenso kann jede Partei jederzeit die Mediation abbrechen.

Im Beispielfall wird für das Gespräch eine Dauer von 2 bis 2,5 Stunden vereinbart.

Einstieg in das Thema

Im nächsten Schritt geht es darum, Informationen über das Geschehene zu erfahren. Was ist passiert? Wer fühlt sich durch was gestört?

Frau Müller erzählt, dass sie mit Herrn Busse bei der Anschaffung des gemeinsamen Hundes besprochen hatte, dass seine beiden Kinder Jan (12 J.) und Lisa (14 J.) ebenfalls mit dem Hund Gassi gehen, wenn sie bei ihnen sind. Dies ist aber bisher fast nie geschehen: Die Kinder bieten sich nicht an und reagieren nur widerwillig auf entsprechende Aufforderungen. Frau Müller meint, dass Herr Busse die Kinder ständig entschuldigt. Zum Beispiel an dem Tag, an dem Jan früher von der Schule nach Hause kam. Sie musste trotzdem früher bei der Arbeit Schluss machen, um mit dem Hund zu raus zu gehen. Herr Busse hätte hinterher gemeint, dass Jan einfach nicht an’s Gassi gehen gedacht hätte.

Frau Müller beschreibt außerdem, dass Lisa und Jan nicht bei der Hausarbeit helfen. Beide stellen das benutzte Geschirr nicht in die Spülmaschine, räumen diese nicht aus und bringen den Müll nicht nach draußen. Aufforderungen werden mit Augenrollen kommentiert und einmalig erledigt, dauerhaft findet keine Veränderung statt. Herr Busse fordert seine Kinder laut Frau Müller hingegen nur sehr selten auf, beim Haushalt mitzuhelfen. Wenn sich Frau Müller dazu bei Herrn Busse beschwert, antwortet er, dass er ja stattdessen mehr im Haushalt helfen könne…

Herr Busse bestätigt, dass sie beide vereinbart hätten, dass seine Kinder auch mit dem Hund raus gehen sollten. Jan hat jedoch Angst, alleine mit dem Hund vor die Tür zu gehen, weil er sich nicht sicher ist, dass der Hund auf ihn hört.

Herr Busse erklärt, dass die Kinder nur so selten Zeit bei ihm verbringen, so dass er nicht möchte, dass sie in dieser Zeit auch noch im Haushalt helfen sollen. Er spürt, dass Frau Müller oft genervt ist, fühlt sich von ihr jedoch mit der Aufforderung "seine Kinder" zur Hausarbeit zu verpflichten, unter Druck gesetzt. Ihn stört, dass sie so eine Distanz zu den Kindern hat, dass sie die Klärung an ihn delegiert. Er hat durch die Formulierung "Deine Kinder" den Eindruck, dass Frau Müller die Kinder als Eindringlinge sieht.

Die Mediatorin fasst das Gesagte in einem Thema zusammen: Es geht um die Pflichten im Haushalt. Im nächsten Schritt ist zu klären, was eigentlich dahinter steckt.

Hintergründe beleuchten

Frau Müller beschreibt, dass sie sich in den beschriebenen Situationen genervt, unsicher und enttäuscht fühlt. Sie möchte sich nicht mit ihrem Partner über die 50-50-Verteilung der Hausarbeit streiten. Es geht ihr darum, dass die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, es soll eine gerechte Beteiligung an den Aufgaben erfolgen. Außerdem möchte sie sich auf das verlassen können, was sie mit Herrn Busse bespricht. Sie ergänzt, dass sie sich nicht gleichberechtigt fühlt im Haushalt mit den Kindern. Ihr ist Zugehörigkeit wichtig, sowie das Wissen, dass auch ihre Stimme Gewicht hat.

Herr Busse fühlt sich im Konflikt hilflos und in seiner Vaterrolle kritisiert. Durch die Kritikam Verhalten seiner Kinder fühlt er sich selber angegriffen. Er möchte, dass die Kinder sich bei ihm wohl fühlen und gerne wiederkommen. Er befürchtet, dass die Mutter der Kinder sonst den Kontakt weiter einschränkt. Herr Busse wünscht sich Harmonie im Haushalt. Ihm ist wichtig, dass sich Frau Müller gleichberechtigt fühlt. Gleichzeitig hätte er gerne ein Familiengefühl mit ihr und den Kindern zusammen, statt zwischen Frau Müller und den Kindern vermitteln zu müssen.

Nachdem diese Interessen benannt und erklärt wurden, können beide Parteien einander besser verstehen.

Ideen sammeln

Im nächsten Schritt geht es nun um die Klärung, wie in Zukunft verfahren werden soll. Dabei sollen die wichtigen Interessen von beiden Parteien berücksichtigt werden.

Beide Parteien sammeln zunächst Vorschläge, wie künftig besser mit dem Konfliktthema umgegangen werden soll. Beim brainstorming wird nicht kommentiert. Im vorliegenden Fall werden folgende Ideen genannt:

Im Anschluss werden diese Ideen sortiert und Einwände geltend gemacht. Dann werden die einzelnen Punkte konkretisiert: Wer macht wann was? Dadurch entsteht Klarheit über die nächsten Schritte, und wer für was verantwortlich ist. Frau Müller und Herr Busse legen fest, wer bis wann welche Gesprächstermine organisiert und wer mit den Kindern den Hundeplan aufstellt. Der Vorschlag vom Besuch der Hundeschule wird von Herrn Busse als übertrieben abgelehnt. Herr Busse sagt aber zu, in den nächsten acht Wochen zweimal die Woche zusammen mit Jan mit dem Hund raus zu gehen.

Diese Vereinbarung wird dokumentiert und damit ist die Mediation abgeschlossen.

Frau Müller und Herr Busse wollen sich nach drei Monaten Probezeit erneut melden, falls ein Folgetermin mit der Mediatorin nötig ist.

Zusammenfassung

Nach einer Einleitung mit Klärung der Rahmenbedingungen der Mediation erzählen beide Seiten ihre Sicht der Geschehnisse. Anschließend werden die Hintergründe besprochen und was der einzelnen Person in der jeweiligen Situation wichtig gewesen wäre. Ausgehend von diesen Interessen kann am Ende dann eine Regelung gefunden werden, die für beide Seiten tragbar ist.

Was sind nun die "Tricks" der Mediation?

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